Dienstag, 22. November 2022

Baldiges Ende der Welt?

Ende Oktober erhielt ich von meinem Bruder ein relative langes E-Mail, in dem er u.a. Links zu Videos auf Youtube sendete. In den Videos ging es um die Nacherzählung von Träumen bzw. Visionen von ein paar Personen. Mir wurde nicht so recht klar, warum mein Bruder diese Links schickte und was die Aussagen in den Videos letztlich bezweckten. Ich war nahe dran, ihm zu schreiben und nachzufragen. Dann viel mir aber plötzlich Nostradamus ein, dessen Visionen im Laufe der Jahre eine Art Kultstatus erreicht haben und von denen sich - je nach Interpretation - inzwischen einige erfüllt haben. Seine Visionen hatten die Leute seiner Zeit sicher auch nicht ganz verstanden. Mitunter deshalb verzichtete ich dann darauf, eine Antwort zu senden.

Mitte dieses Monats schickte mir mein Bruder einen Link zu einem anderen Video. Darin erläuterte der Sprecher 22 Gründe, warum seiner Meinung der "Weltuntergang" bzw. die Endzeit gemäss Bibel kurz bevorsteht. Viele der Gründe leuchten mir absolut ein. Beim letzten Grund verstand ich den englischen Ausdruck möglicherweise falsch oder kam nicht darauf, wie dieser korrekt ins Deutsche übersetzt werden müsste. Die Liste der Gründe in Stichworten führe ich unten auf.

Vorausgehend will ich erwähnen, dass Punkt 8, so wie er im Video gäussert wurde, definitiv nicht zutrifft, weil er auf Fake News basiert. Das fand ich heraus, nachdem mir mein Bruder einen Link zu einem weiteren Video schickte und ich etwas ausführlicher dazu recherchierte. Das vermeintlich von der UN stammende  Dokument, auf welchem die sogenannte "New World Order" These begründet wurde, ist nicht echt bzw. das Dokument existierte nie so, wie es in den sozialen Medien kursierte.
Im gleichen Zusammenhang stelle ich Punkt 11 sehr stark in Frage. Allerdings ist es klar, dass einige Regierungsleute und Religionsführer die Idee einer weltweit einheitlichen Religion befürworten.

Hier nun die 22 Gründe:
1 - Juden (wieder) in Israel
2 - Kriege / Kriegsandrohungen
3 - Erdbeben
4 - Hungersnot
5 - Feuerausbrüche
6 - Krankheiten (Pest / Seuche)
7 - Klimaveränderung (verstärkte Trockenheit / Nässe)
8 - Geplante Weltregierung: "New World Order" = Fake!!!
9 - UFOs (früher von NASA dementiert, heutzutage offiziell bestätigt)
10 - Bedrohungen gegen bzw. Angriffe auf Israel
11 - Beabsichtigte, weltweite Einheits-Religion
12 - Bau von Zugstrecke zwischen Flughafen und (zukünftigem) Tempel in Israel
13 - anzubringendes Zeichen auf dem oder im Körper (ggf. zukünftig erforderliche Chip-Implantierung zwecks Identifizierung)
14 - Endzeitliche Prophetie(n)
15 - Internet / Satelliten / Livestreams / Smartphones (globale Vernetzung)
16 - Nicht nachhaltige Welt / instabile Ökonomie
17 - blühende Entwicklung bzw. Wachstum in Isreal
18 - Gesetzlosigkeit in der Gesellschaft
19 - Ende des tausendjährigen Reiches (3 x 2000 Jahre als 6 Tage, 1000 Jahre als 7ter bzw. letzter Tag)
20 - ungewöhnliche Erscheinungen in der Natur (z.B. intensive Sonnenuntergänge / grosser Mond)
21 - (unter Vorbehalt:) austrocknender Fluss
22 - barrage of evil - Übersetzung: Grenze zum teuflischen??? Ev. Wort falsch gehört?

Persönliches Fazit aus der Angelegenheit: 
- Die einzelnen "Gründe" sind erstmal nur "Indizien". Wenn man alles zusammen betrachtet, ist da aber schon einiges dran. Dass die Welt wirklich schon sehr nahe am Ende ist, bezweifle ich. 
- Nachdem ich meinem Bruder die Erkenntnisse meiner Recherche bezüglich "New World Order" mitgeteilt hatte, meldete er zurück, dass er (auch) bei diesem Video das Gesamtbild betrachtete und nicht die einzelnen Elemente. Zu meiner Verteidung kann ich sagen, dass er NUR den Link zum Video geschickt hatte ohne jegliche Erklärung. Ich konnte also nicht wissen, was ihm daran wichtig war. Unabhängig davon, fiel es mir als Autistin in dem Fall sehr schwer, ein "Gesamtbild" als Zusammenzug der einzelnen Teile zu erkennen. Versucht hatte ich es, ich kam aber nicht darauf. Ich werde mich bei ihm für mein mangelndes Verständnis entschuldigen. 

Mittwoch, 2. November 2022

Zickenkrieg

Letzte Woche gab es zwischen meiner Arbeitskollegin und mir eine kurze und eher unterschwellige Auseinandersetzung.

Es begann indirekt mit einem E-Mail, das von extern reinkam. Sie übernahm dessen Bearbeitung. Ich schaute die Nachricht nur kurz an, war aber überrascht was die Anfrage anbelangte, weil mir der darin erwähnter Personenname etwas sagte. Etwas später stellte meine Kollegin eine Frage in die Runde, welche vom Chef beantwortet wurde, worauf Sie etwas erwiderte, was ich zuvor schon vermutet hatte. Eine kurze Suche in den Notizen gab mir die Bestätigung und ich sagte, dass ich den per E-Mail gestellten Auftrag bereits Anfang Monat aufgrund eines Telefonanrufes erledigt hatte. Im Prinzip hätte das ganze damit erledigt sein können.

Meine Kollegin kritisierte nach meiner Aussage die telefonische Bearbeitung und dass es schriftlich festgehalten sei. Der Chef sagte dann zwar auch, dass das sinnvollerweise hätte schriftlich erfolgen sollen, jedoch in Bezug auf den Auftrag selbst bzw. die Auftraggeberseite. Er machte mir keinen direkten Vorwurf, dass ich die Änderung aufgrund des Telefonanrufs erledigt hatte. Dennoch versprach ich, in Zukunft solche Anfragen nicht mehr mündlich entgegen zu nehmen. Daraufhin gab es einen kurzen Wortwechsel, der mit einem weiteren Vorwurf meiner Kollegin endete, wir würden zuwenig miteinander Reden. Darauf gehe ich unten nochmals ein.
Nach kurzer Überlegungszeit wies ich meine Kollegin noch auf die Notizen hin in dem Sinne, dass es dort schriftlich notiert sei und ich auch erst habe nachschauen müssen (was sie genauso hätte machen können). Darauf gab sie eine - aus meiner Sicht - absolut dämliche und völlig unsachliche Erwiderung. Ich liess es dabei bewenden und verzichtete auf einen weiteren Kommentar, da ich dachte, ein solcher hätte die Verstimmung meiner Kollegin nur noch mehr verstärkt. - Aber wer weiss, vielleicht lag ich falsch, vielleicht hätte sie das lieber weiter ausdiskutiert. Aber das hätte ich nicht gewollt. Ich hasse derartige Auseinandersetzungen, vor allem wenn sie in persönliche Angriffe ausarten, die überhaupt nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Ich fand nicht nur stossend, was sie sagte, sondern vor allem der Ton, in dem sie es sagte.

Nach dem Mittag fiel mir auf, dass meine Kollegin ohne den sonst üblichen Gruss ins Büro kam. Offensichtlich war sie immer noch verärgert. Ich verzichtete ebenfalls auf eine Begrüssung, allerdings nur, weil ich nicht wusste, wie sie es andernfalls aufgefasst hätte. Am Abend verabschiedeten wir uns wieder normal, wobei ich spürte, dass Sie immer noch schlecht gelaunt war. Diesen Eindruck hatte ich auch noch am nächsten Morgen, im weiteren Verlauf des Tages normalisierte es sich allmählich.

An sich würde ich weder meine Kollegin noch mich als "Zicke" bezeichnen, objektiv betrachtet könnte unser Wortgefecht aber sehr wohl als Teil eines "Zickenkriegs" ansehen, daher habe ich diesen Titel gewählt.

Nun nochmals zum oben erwähnten Vorwurf, dass wir nicht miteinander reden: In dieser Hinsicht hat meine Kollegin schon recht. Ich rede vielfach nur dann, wenn ich etwas gefragt werde, wenn ich jemanden etwas fragen muss oder wenn es für mich offensichtlich ist - wie es im vorliegenden Fall war - dass ich auf etwas hinweisen muss, was die andere Person nicht wissen kann. Unser Chef redet auch nicht sehr viel, was ich im Allgemeinen schätze. Es gibt aber vereinzelt Situationen, in denen ich ebendies als Schwäche sehe.
Im Übrigen fand ich es recht seltsam, dass meine Kollegin den Vorwurf machte, kurz nachdem sie die telefonische Erledigung eines Auftrags kritisiert hatte. Das kam für mich rüber wie ein Widerspruch in sich.

Noch etwas punkto reden: Smalltalk liegt mir generell nicht und ich habe auch sonst kein grosses Bedürfnis, mich über irgendwas auszutauschen. So finde ich es absolut überflüssig, sich z.B. über das vergangene/kommende Wochenende, irgendwelche Sportanlässe, die neusten politischen Ereignisse in der Welt oder sonstigen "Bullshit" auszutauschen, sofern es nicht im weitesten Sinn um Weiterbildung geht. Ebenfalls finde ich es total blöd, wenn jemand mir seinen gesamten Tagesablauf schildert oder von mir erwartet, dass ich erzähle, was ich so den ganzen Tag lang mache bzw. gemacht habe. Mir erschliesst sich der Zweck solcher Gespräche einfach nicht.
Dieses fehlende Redebedürfnis ist etwas, was nichtautistische Personen (besonders Extrovertierte) an autistischen Personen (von denen die meisten introvertiert sind) häufig nicht verstehen können. 

Samstag, 8. Oktober 2022

Rückblick auf einen speziellen Tag

Nach dem letzten - sehr bedrückenden - Post will ich heute rückblickend über einen speziellen Tag berichten, den ich Ende August erleben durfte.

Mehrere Wochen zuvor hatte ich in einem Newsletter von einer, auf Autismusbetroffene gerichtete, Hilfsorganisation eine Information darüber erhalten, dass an dem Tag unter anderem eine Führung durch den Flughafen geplant sei. Weil aber nur eine beschränkte Anzahl Plätze verfügbar waren, wurde darauf hingewiesen, man sich nur anmelden, wenn man ein besonderes Interesse am Thema habe. Daran lag es zwar nicht, aber ich hatte bereits einmal an einer ähnlichen Führung teilgenommen und wollte daher anderen die Chance nicht nehmen. Als etwas später in einem weiteren Newsletter erwähnt wurde, dass noch Plätze frei seien, meldete ich mich doch noch dazu an.

So fuhr ich den an jenem Tag zum Flughafen, schlängelte mich zielstrebig an anderen Menschen vorbei zum Treffpunkt, wo ich einen Badge erhielt und nochmals kurz über den Ablauf informiert wurde. Bereits an dem Treffpunkt und während der Zeit, bevor es offiziell los ging, war offensichtlich, dass einige Personen dabei waren, die auf ihre individuelle Art sehr aussergewöhnlich waren. Ein Junge stand am Anfang mit Gehörschutz dort und schaute mehr oder weniger teilnahmslos vor sich auf den Boden. Eine etwa 20- bis 25-jährige Frau war offensichtlich besonders erfreut, dort sein zu dürfen, wurde jedoch die ganze Zeit von einer älteren Frau (vermutlich war es ihre Mutter) an der Hand geführt. Sie redete - wenn überhaupt - kaum verständlich. Ein Mann war mit zwei Söhnen dort, die beide sehr interessiert an allem waren. Der jüngere stellte mehrmals irgendwelche Fragen und äusserte Erkenntnisse seinerseits. Einem jungen, englischsprechenden Mädchen gefiel es überhaupt nicht und sie sagte mehrfach zu ihrer Begleitperson, es sei 'beschissen' und sie wolle einfach nur nach Hause. Ob es am leichten Regen lag, am unangenehmen Umgebungslärm oder an etwas anderem, fand ich hingegen nicht heraus. Dass die beiden schliesslich an der Führung überhaupt teilnahmen, bezweifle ich, denn ich sah sie später nicht mehr. Ein früherer Mitarbeiter des Flughafens war ebenfalls unter den Teilnehmern und wusste dementsprechend bereits fiel. Während der Führung (wir waren in der gleichen Gruppe) sagte er, dass er schon lange nicht mehr am Flughafen war und sich angemeldet habe, weil er gerne sehen wollte, was sich in der Zwischenzeit verändert habe.

Die Führung hatte mir insgesamt sehr gut gefallen, ich wurde allerdings recht müde vom langen stehen und gehen, weil ich das im Alltag nicht gewohnt bin. Zudem setzte mir auch der Lärm ein wenig zu. Bedauerlicherweise war am Mittag nichts gemeinsames geplant, alle konnten für sich entscheiden, ob sie überhaupt für den zweiten Teil am Nachmittag bleiben wollten und falls ja, wo sie die Mittagspause verbringen. Ich entschied mich dazu, im Imbiss-Restaurant auf der Besucherterasse etwas zu essen, verstand aber das Bedienkonzept dort nicht von Anfang an und war dann etwas generft, dass es lange dauerte, bis ich das Essen an der Theke abholen konnte. Es schien mir, dass die Person dort heillos überfordert war vom grossen Ansturm. Es wäre wohl angenehmer gewesen, ins Selbstbedienungsrestaurant ausserhalb der Terasse zu gehen.

Am Nachmittag gab es eine Fragerunde mit Experten, die sich im Flugverkehr und am Flughafen sehr gut auskannten. Der eine war früher Pilot und der andere hatte u.a. in der Gepäckabwicklung und bei der Flugzeugwartung gearbeitet. Es war äusserst lehrreich, was die beiden Herren als Antwort auf einzelne Fragen zu sagen hatten. Insgesamt gab es allerdings weniger Fragen als ich im Voraus erwartet hatte. Und ein paar Fragen waren - aus meiner Sicht - sehr einfach oder offensichtlich zu beantworten. Aber im Sinne von "es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten", haben die Herren auch zu diesen Fragen sehr wohlwollend und verständnisvoll Auskunft gegeben.

Zusammenfassend gesagt, habe ich nicht nur Neues über Flugzeuge und den Flughafen erfahren, sondern mir wurde auch einiges bewusst zu verschiedenen Einschränkungen aber auch Begabungen, die Betroffene von Autismus haben können. Wenn man solches in der Theorie liest, ist es etwas ganz anderes als wenn man es im direkten Kontakt (oder auch Nicht-Kontakt) miterleben kann. Und als selbst Betroffene sehe ich, wo ich im Vergleich zu anderen stehe. Das war eine äusserst bereichernde Erfahrung.

Sonntag, 2. Oktober 2022

Verstärkt depressive Phase und morbide Gedanken

In letzter Zeit fühle ich mich noch schlechter als sonst. Seit ich vor einem knappen Monat nach einer vermutlichen Covid-19-Infektion (vermutlich während der im letzten Post erwähnten Reise) über mehrere Tage allgemein etwas angeschlagen war, ist meine ohnehin schon tiefe Arbeits- und Lebensmotivation auf einem Tiefpunkt angelangt. Jeden Morgen würde ich am lieber im Bett bleiben anstatt aufstehen zu müssen. Da ich aber genau weiss, dass ich ohne zur Arbeit zu fahren bald mal meinen Job verlöre und in Folge das Einkommen ausbliebe, überwinde ich mich eben jeweils doch, aufzustehen und etwas später zur Arbeit zu fahren.

Ich weiss eigentlich selbst nicht recht warum, aber bei jeder Arbeitsstelle löscht es mir nach knapp zwei Jahren jeweils derart ab, dass ich einfach nicht mehr mag. An diesem Punkt bin ich jetzt eben wieder angelangt und ich weiss noch nicht, wie oder ob ich da wieder herauskommen soll, ohne einen erneuten Wechsel der Arbeitsstelle. Im Grunde genommen Wünsche ich mir zwar nichts sehnlicher, als Stabilität und Sicherheit. In Bezug auf die Arbeitsstelle(n) scheitere ich aber immer wieder von Neuem.

Wenn mir jemand morgen eine Tablette überreichen würde, mit der die Lebensfunktionen meines Körpers in wenigen Minuten/Stunden beendet würden, wäre ich nicht abgeneigt, diese anzunehmen. Dass ich die Tablette dann tatsächlich gleich schlucken würde, ist allerdings zweifelhaft. Eher würde ich sie bei mir behalten für einen Zeitpunkt, zu dem ich wirklich total frustriert und verzweifelt bin - also quasi für den 'Notfall'.



Nachfolgend ein paar Begebenheiten aus meiner Vergangenheit - das passt gerade zum Thema der obigen Zeilen.

Als ich im Kindergarten war, starb meine Grossmutter in einem Fluss, in den sie sich selbst begeben hatte. Dieses Ereignis, und vor allem die konkreten Umstände in dem Zusammenhang, führten bei mir zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, von der ich bis heute nicht vollumfänglich losgekommen bin, auch wenn meine Grossmutter mittlerweile sicher ohnehin gestorben wäre.
Seit jenem Tag habe ich mir x-mal überlegt, ob die Variante des in einen Fluss Springens für mich vielleicht auch in Frage käme, zumal ich keine besonders gute Schwimmerin bin. Es könnte aber ebenso gut sein, dass - einmal im Wasser - mein intuitiver Überlebenswille derart stark würde, dass ich mich mit aller Kraft doch wieder irgendwo ans Ufer retten könnte.

An einer anderen, möglichen Todesvariante bin ich im übertragenen Sinn bereits einmal gescheitert. Als Teenager auf der Terrasse im obersten Stockwerk eines Hochhauses stehend, betete ich zu Gott und flehte ihn an, er solle bitte dafür sorgen, dass die folgenden zwei Wochen für mich nicht so schlecht werden würden, wie ich befürchtete, sonst stürzte ich mich am Ende der zwei Wochen von ebendieser Terrasse in die Tiefe. In gewisser Weise wusste ich zwar, dass ich mir punkto Ausführung dieser 'Drohung' selbst nicht zu 100% sicher war, u.a. weil ich befürchtete, unten 'nur' schwer verletzt und nicht tot anzukommen. So oder so war ich extrem betrübt, unglücklich und zutiefst verzweifelt, weshalb unbedingt wollte, dass Gott meinen Wunsch ernst nehmen würde. Interessanterweise wurden die zwei Wochen dann in der Tat ausserordentlich angenehm für mich. Ich kann sogar mit gutem Gewissen sagen, dass es zwei der besten Wochen meines Lebens wurden.
Dieses Erlebnis wühlte mich im Nachgang innerlich sehr auf. Mehr als zuvor war ich überzeugt davon, dass es Gott tatsächlich gibt und er uns helfen kann, wenn wir Hilfe ernsthaft benötigen, und zwar nicht einfach nur in gefährlichen Situationen in Form eines Schutzengels, sondern eben auch in tiefster persönlicher Not.
Leider konnte ich seither kein derart klares Zeichen mehr erkennen und meine Zweifel an Gottes Existenz - und vor allem an seinem Eingreifen ins menschliche Leben - sind danach wieder gestiegen. Es gab in der Zwischenzeit mehr als eine Situation, bezüglich der ich mich nachträglich wunderte, warum mich Gott nicht vor etwas beschützt bzw. verschont hat. ... Ja, wir Menschen haben einen eigenen Willen und Gott lässt uns diesen eigenen Willen; er zwingt uns zu nichts. Aber manchmal wäre es eben doch besser, wenn Gott sich zu unserem Schutz und in guter Vorhersehung über unseren Willen hinwegsetzen würde, damit wir nicht nachträglich die schwerwiegenden und mitunter schmerzlichen Konsequenzen einer Aktion oder Nicht-Aktion tragen müssten.

Wenn ich jeweils mit dem Zug zwischen meiner Wohnung und dem Arbeitsort pendelte, stand ich ab und zu sehr nahe an den Rand des Perrons und zog in Betracht, den entscheidenden letzten Schritt hinunter aufs Gleis zu nehmen, wenn gerade ein Schnellzug kurz vor der Durchfahrt war. Immer wieder hatte ich aber Skrupel davor bzw wollte nicht, dass nur meinetwegen der Zugverkehr auf dem betreffenden Gleis und vielleicht im gesamten Bahnhof zum Erliegen kam. So verzichtete ich den immer wieder darauf. Nicht zuletzt war auch da immer wieder meine Befürchtung gross, ich würde durch den Zusammenprall mit dem Zug nicht sterben sondern würde später schwer verletzt in einem Krankenhaus aufwachen und müsste mich gegenüber verschiedensten Leuten die Frage beantworten, warum ich das getan hätte.

Vor wenigen Jahren kaufte ich mir in einem Waffengeschäft zwei Pistolen. Offiziell machte ich das wegen meiner Absicht, einem Schützenverein beizutreten und - hoffentlich - hohe Punktergebnisse beim Schiessen zu erzielen. So fuhr ich nach dem Waffenkauf auch tatsächlich mehr als einmal zum wöchentlichen Treffen der Pistolenschützen bzw. zum Schützenhaus. Meine Ergebnisse beim Schiessen waren zwar nicht grottenschlecht aber auch nicht so gut, als dass es für mich Sinn gemacht hätte, an den Wettkämpfen teilzunehmen. Irgendwann ging ich kaum mehr hin. Etwas später kam der Lockdown wegen Covid-19 und danach waren wochenlang keine Vereinstreffen mehr erlaubt. Aber auch seit diese Treffen wieder möglich sind, war ich bis heute nicht mehr dort.
Der Grund, warum ich das erwähne, hat aber mit dem Vereinsleben oder Covid-19 keinen Zusammenhang, sondern mit dem Waffenkauf als solches. Im Grunde genommen kaufte ich mir die Waffen nämlich mit einem anderen Hintergrundgedanken: Sie würden mir in gegebener Situation einen Suizid ermöglichen. Es ist allgemein bekannt, dass ein Schutz in den Kopf mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod führt. Auch da gibt es logischerweise ein Restrisiko: Das Gehirn könnte nach der Schussabgabe stark geschädigt sein, ohne dass man tatsächlich tot ist. Je nach dem, welche Hirnregion(en) beschädigt würde(n), hätte dies einen Einfluss darauf, wie bewusst man sein eigenes Umfeld bzw. sein  Leben noch wahrnehmen würde. Aber egal wie es ausgehen würde, man wäre danach sicher nicht mehr die gleiche Person wie zuvor.

Ist die Methode, sich mit einer Pistole töten zu wollen, letztlich besser als die ganz oben erwähnte Methode mithilfe einer Tablette??? Ich weiss es nicht und vermutlich auch sonst niemand. Allerdings weiss ich, dass es sehr schwer ist, an eine entsprechende Tablette heranzukommen. In diesem Jahr bin ich Exit beigetreten. Ob ich jemals deren Sterbehilfe-Dienst in Anspruch nehmen werden, weiss ich noch nicht. Aber es ist irgendwie beruhigend für mich, das als zusätzliche Variante zur Verfügung zu haben, wenn ich es denn wirklich möchte. In der Hinsicht ist nur die Frage, ob mein Hausarzt bzw. meine Hausärztin mir das notwendige Attest erteilen würde, welches für den Bezug des zu verabreichenden Medikaments notwendig ist.

Donnerstag, 8. September 2022

Reisestress

Nachdem ich letzte Woche ein paar Tage Urlauf im Inland auf einem Campingplatz verbracht hatte, war ich diese Woche zusammen mit einer Gruppe während einiger Tage im Ausland an einem weltweiten Kongress, zu dessen Teilnahme ich eigentlich nur per Zufall kam. Nachdem es mir bereits die Vorbereitung Mühe bereitet hatte - was muss ich unbedingt mitnehmen, auf was kann ich defitiv verzichten, was ist vielleicht nützlich - fand ich sowohl das Hotel als auch den gesamten Kongress nicht nur angenehm. Das Programm stellte sich zwar nicht so gedrängt wie befürchtet heraus bzw. war es nicht so sehr verbindlich, wie ich gedacht hatte, aber dennoch beanspruchte mich das häufige unterwegs sein auf dem Kongressgelände und ausserhalb dessen doch merklich. Ich war äusserst froh, dass es jeweils am Abend ruhiger war und wir nicht auch dann noch ein volles Programm hatten.

Einige der Veranstaltungen starteten mit Verzögerung und/oder dauerten länger, weshalb man zu manchen späteren Veranstaltungen erst mit Verzögerung gelangen konnte. Zudem fanden wir uns deswegen innerhalb der Gruppe erst zu einem später als abgemachten Zeitpunkt wieder. Beides machte mich teilweise sehr nervös.

Die Gesellschaft mit den anderen der Gruppe war sehr angenehm. Dennoch muss ich rückwirkend sagen, dass ich auf die Teilnahme wohl doch hätte verzichten sollen. Die Rückreise ins Heimatland ist bald zu Ende, unser Zug hat aber mehrere Minuten Verspätung. Wir werden noch schauen müssen, wann ein nächster Anschlusszug fahren wird, da der eigentlich geplante Anschlusszug bereits vor langem weg ist.